Duo-Fachbeitrag
von
Markus Grimminger
Bernd Breuer
Bundestrainer
Duo
6.
Coaching/Motivation/Vertrauen
Um ein effektives Duo-Training gestalten zu können,
sind nachfolgend Tipps beschrieben, die einfach im Training um- und eingesetzt
werden können.
Der Duo-Wettkampf ist im Vergleich zum Fighting noch nicht so populär, spätestens
aber nach seiner Integration ins neue Prüfungssystem des DJJV und den aktuellen
Erfolgen der Deutschen Athleten bei den World Championships und World Games
stark im Kommen. Oft zeigt sich auch bei Vorführungen die Dynamik und Vielfalt
der Ju-Jutsu Techniken ganz besonders und zeiht so eine wachsende Schar von
Duo-Interessierten in die Vereine. Für die Trainer bedeutet dies eine neue
Anforderung, nämlich ein effizientes und wettkampforientiertes Training
anbieten zu können. Der Duo-Wettkampf hat im Vergleich zum Fighting-Wettkampf
seine eigenen Spielregeln, die es vor allem in der Trainingsphase zu beachten
gilt. So werden im Duo-Training auch andere Akzente und Schwerpunkte gesetzt, um
diesem gerecht zu werden. Im Wettkampf gilt es saubere, dynamische Techniken zu
zeigen, dabei auch die Kampfrichter mit Geschwindigkeit, Ausstrahlung und im
Gesamteindruck zu überzeugen. Dies kann man in einer Trainingsphase gezielt
vorbereiten.
Die Angriffe sind im Duo-System genau
vorgegeben – das heißt, hier ist auf eine exakte Technik zu achten. Der
Angriff wird mit 40% der Punktwertung bedacht, also fast die komplette Technik hängt
von der ersten Bewegung und Aktion der Kämpfer ab. Dies gilt es immer wieder zu
betonen und speziell zu trainieren. Was heißt nun „richtiger Angriff“:
-
kraftvolle, dynamische Aktion
-
exakte Ausführung
-
aufrechte Körperhaltung
-
hohe Körperspannung
-
Bewegung des Angreifers durch Druck oder Zug
-
Schnelligkeit
-
Kiai
-
Balance und Stabilität
-
Auf der richtigen Seite angreifen (rechts vom Kampfgericht)
-
Reaktion des Partners nach der 1. Aktion des Verteidigers
Wie man an der aufgeführten Kriterien sehen kann,
gilt es eine Vielzahl an Gesichtspunkten zu beachten. Nachfolgend sind einige
Trainingsbeispiele aufgeführt, um diese Punkte speziell zu trainieren.
Trainingsbeispiele Angriffstraining
1.
Training auf kraftvoll, dynamische Aktion
Organisationsform Gasse
Trainer gibt per Kommando die Angriffe der Serien vor, die Paare haben die
Aufgabe ausschließlich unter den Gesichtspunkten kraftvoll,
dynamisch anzugreifen
Variation der Angriffszahlen durch Trainer
Variation des Abstandes zwischen den Paaren
2.
Training auf Schnelligkeit
Organisationsform Gasse
Trainer gibt per Kommando die Angriffe der Serien vor, die Paare haben die
Aufgabe ausschließlich unter den Gesichtspunkten Schnelligkeit
anzugreifen
Variation der Angriffszahlen durch Trainer
Variation des Abstandes zwischen den Paaren
3.
Training auf Haltung (Körperspannung, Ausdruck)
Organisationsform Gasse
Trainer gibt per Kommando die Angriffe der Serien vor, die Paare haben die
Aufgabe ausschließlich unter den Gesichtspunkten Haltung
anzugreifen
4.
Training auf Reaktion und Konzentration
Organisationsform Gasse mit ca. 8 Meter Abstand zum Partner
Aufgabenstellung: rückwärts auf den Partner zu laufen, ca. 3 Meter vor dem
Angreifer sagt der Trainer die Zahl des entsprechendes Angriffes. Zielsetzung
ist hier die Schulung der Reaktion im Wettkampf unter Stress (durch rückwärts
laufen simuliert).
Organisationsform Gasse mit normalen Abstand (1-2 Meter)
gleiche Aufgabenstellung, aber Angreifer hat seine Augen geschlossen und
reagiert nur auf den akustischen Reiz
Die Geschwindigkeit der Duo-Wettkämpfer ist ein
wesentlicher Aspekt im Turnier. Ohne ausreichend hohe Geschwindigkeit hat man im
Wettkampf kaum eine Chance auf Erfolg. Im Duo-Training kann man die
Geschwindigkeit gezielt steigern und trainieren
Die hohe Geschwindigkeit von Duo-Paaren entseht durch
die regelmäßige Wiederholung von Techniken im Training. Ähnlich wie bei allen
Bewegungen die der menschliche Körper in häufiger Anzahl macht, erhöht sich
die Zahl der Kontraktionen im Muskel, verbessert sich die Steuerung der
Muskelnerven und schafft so die Vorrausetzung für eine schnelle Bewegung.
Merke: Je komplexer eine Bewegung beziehungsweise Technik ist, desto
schwieriger ist es für den Körper diese Bewegung schnell zu machen.
Da dies auf die meisten Duo-Techniken zutrifft,
empfiehlt sich deshalb gezielt diese Techniken zu zerlegen und die entstehenden
Sequenzen einzeln (auf Geschwindigkeit) zu trainieren. Dies hat den Vorteil,
dass sich der Körper viel schneller an die nun kurzen und einfacheren
Bewegungsmuster gewöhnen kann und diese dann schneller antizipieren kann.
Am Ende des Trainings der einzelnen Muster fügt man die Einzelteile dann wie
bei einem Puzzle zusammen und hat dann oftmals gleich eine spürbare
Geschwindigkeitssteigerung. Nachfolgend als Beispiel die Zerlegung einer
Duo-Technik.
Trainingsbeispiele Geschwindigkeitstraining
1.
Zerlegung einer komplexen Technik
Organisationsform Paarweise Aufstellung
- Angriff mit 1. Reaktion trainieren
- Eindrehbewegung in Wurf trainieren
- Wurf trainieren
- Abschlusstechnik trainieren
- alles zusammenfügen
2.
Wurftraining auf Geschwindigkeit
Organisationsform Paarweise Aufstellung
Aufgabenstellung: Partner so schnell als möglich 5 x hintereinander zu werfen
3.
Angriffstraining auf Geschwindigkeit
Organisationsform Paarweise Aufstellung
Aufgabenstellung: Partner so schnell als möglich angreifen, dabei macht der
Verteidiger grundsätzlich die 1. Aktion mit
Beim Duo gilt es genau zu einem bestimmten Punkt fit
zu sein, der Hauptkampfrichter steht auf der Matte, die Kampfrichter beobachten
die Kämpfer und dann kommt die Zahl des Angriffes. Jetzt heißt es, alles zu
geben und die Technik möglichst optimal zu demonstrieren. Diese Situation ist
deshalb immer wieder gezielt zu trainieren um das in „Fleisch und Blut“ des
Paares übergehen zu lassen. Vor allem die Stresssituation im Turnier erzeugt häufig
Konzentrationsfehler, die sich auf den Ausgang eines Kampfes nachhaltig
auswirken können.
Ausdauer hängt wie auch im Fighting eng mit der Konzentration zusammen, sinkt
die Ausdauer, sinkt damit auch automatisch die Konzentration. Das bedeutet eine
erhöhte Fehleranfälligkeit und eine unsaubere Technikausführung. Zeigt sich
eine Ausdauerproblem sichtbar auf der Matte für die Kampfrichter, so kann
dieses auch bei den nächsten Techniken zu Punktabzügen führen, da subjektiv
der Eindruck entsteht dieses Paar ist anscheinend nicht fit!
Deshalb immer wieder Wettkampf- und Ausdauertraining
in das Training einbauen. Nachfolgend einige Beispiel dazu.
Trainingsbeispiele Wettkampftraining
1.
Wettkampf am Ende des Trainings vor den anwesenden Paaren/Zuschauern
Durchführung eines kleinen Wettkampfes unter Wettkampfbedingungen, also
Hauptkampfrichter, Kampfrichter und Stimmung bei den Zuschauern!
2.
erhöhte Angriffszahlen
Wettkampfsituationen mit allen 5 Angriffen anstelle der üblichen 3 Angriffe
3.
Training von Serien mit Intervallmethode
Wettkampfsituation mit 2 Serien, kurze Pause, dann sofort wieder 2 Serien
4.
2 Serien Turniere
Bei mehreren Paaren empfiehlt sich unter Aussetzung eines kleinen Preises auch
die Durchführung eines 2 Serien Turniers. Hier wird ein tatsächlicher (aber
kurzer) Wettkampf durchgeführt, in dem es gilt Sieger zu werden.
Warum
darüber ein Kapitel schreiben, wenn doch darüber eigentlich alles klar sein
sollte!? Leider ist fast jede Ju-Jutsu Technik von einer idealen
Bewegungsform/-lehre abhängig. Ohne Einsatz des Ju-Jutsu Prinzips „nachgeben
um zu siegen“ passiert auch im Duo-System nicht viel. Gerade hier sind ökonomische
Bewegungen überaus wichtig, denn wie bereits im Kapitel
Geschwindigkeitssteigerung erwähnt, ist eine motorisch „einfachere“
Bewegung auch schneller durchzuführen und zu erlernen. Schaut man sich aber die
meisten „einfachen“ Schrittdrehungen an, dann hapert es oft hier schon ganz
erheblich. Eine einfache Übungsform hierfür ist zum Beispiel auch als Aufwärmübung
die folgende:
Aufwärmübung
Bewegungslehre:
Partner
wird mit Angriffen von außen, innen, oben und gerade Atemitechniken
angegriffen, Aufgabe ist dann in die Schlagrichtung eine Schrittdrehung zu
machen und dabei ohne großen Eigenarbeit die Kraft des Angreifers
weiterzuleiten. Nach ca. 1 Minute Partnerwechsel.
Zielsetzung
ist hier eine ökonomische und „kleine“ Schrittdrehung, aufrechte Körperhaltung
und Entwickeln des Körpergefühls für die Schrittdrehung.
Komplexere Schrittdrehungen und Bewegungen sind zur Zeit im Grundstandard des Duo-Systems enthalten, vor allem wenn man einen Blick über die Grenzen zu unseren europäischen Nachbarn wirft, allen voran die Holländer. Hier kann man oft verspielte Bewegungsformen sehen, die aber auch die vielfältigen Möglichkeiten einer Ju-Jutsu Drehung aufzeigen.
Die Haltung und Ausstrahlung eines Kämpfers wird noch im Kapitel Coaching und Motivation angesprochen, die Grundlagen werden jedoch in der Bewegungslehre gelegt. Kämpfer mit traditionellen Erfahrungen in Systemen wie Karate, Tae Kwon Do haben oftmals klare Vorteile in ihrer Körperspannung. Auch in den Ju-Jutsu Techniken gilt es während der gesamten Technikausführung eine aufrechte und dynamische Körperspannung zu halten. Hierzu kann man spezielle Übungsformen wie zum Beispiel eine Hyong (Kata-Form des Tae Kwon Do) ins Training übernehmen und hier die Körperhaltung trainieren.
Grundhaltungen zu Beginn eines Kampfes
1. Kämpfer stehen sich in Kampfstellung gegenüber
2. Kämpfer stehen sich in Karate Grundstellung gegenüber (Fäuste neben dem Körper)
3. Kämpfer stehen sich in Tae Kwon Do Grundhaltung gegenüber (Fäuste vor dem Bauch)
Dabei ist vor allem auch auf eine korrekte Kampfstellung und Fausthaltung zu achten! (Gerade Handgelenke, Knie gebeugt/nach außen leicht gedreht, Fausthaltung korrekt)
Bewegungsformen werden in der Praxis vorgeführt. Möglich sind:
1. Schrittdrehung nach Fauststoß/Florettstich
2. Partner am Arm/Genick drehen
3. Führen des Partners aus Armbeugehebel
4. Führen des Partners aus Armstreckhebel
Wahrscheinlich das wichtigste Kapitel, nicht nur für Duo-Wettkämpfer. Beim Duo gilt es kurzzeitig maximale Leistung zu zeigen, dies zusätzlich zu einer angesagten Zeit. Hier sind keine zweite Chance oder gar eine Pause (so mal kurz zwischendurch einen Gang rückwärts schalten) drin, das heißt unsere Kämpfer müssen optimal für ihre Kämpfe eingestellt werden. Es gibt viele Dinge, die hierbei irritieren können (wann bin ich dran, welche Auslosung, blöde Wertungen, Nervosität, etc). Deshalb gilt es während der gesamten Wettkampfphase die Kämpfer so gut als möglich von störenden Einflüssen abzuschirmen und auf den bevorstehenden Kampf einzustellen. Dazu ist im Vorfeld ein möglichst hohes Vertrauen zwischen Kämpfer und Coach zu erarbeiten, damit die richtigen Worte zu richtigen zeit auch gehört werden können.
Ein Coach sollte v.a. folgende Aufgaben übernehmen:
- Auslosung erfragen
- Aufwärmbereich kennen
- Startzeiten parat haben
- Beim aufwärmen dabei sein
- Motivieren, motivieren, motivieren!!!
- Wertungen mitschreiben und gleich mitrechnen!
- Ansprechbar und greifbar bleiben
- Anfeuern/Einstellen wenn notwendig in den Serienpausen
-
Video
-
Wurfmatten
-
Alles was die Technik unterstützt (Stöcke, Medizinbälle etc)
Einsatz von mentalem Training in Vorwettkampfphasen
kann zusätzlich die Kämpfer auf die kommende Situation vorbereiten und so eine
gesunde Einstellung zum Event schaffen. Kreativität in Verbindung mit sanfter
Hintergrundmusik hier wirken bei vielen Kämpfern sehr positiv!